Der lange Abend

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Es regnete schon den ganzen Tag, als Lena beschloss, früher Feierabend zu machen. Eigentlich hätte sie noch zwei Stunden im Büro bleiben müssen, denn der Bericht, an dem sie seit Wochen saß, war noch lange nicht fertig. Aber an manchen Tagen, dachte sie, während sie aus dem Fenster auf die nassen Dächer der Stadt schaute, lohnt sich der Kampf einfach nicht. Sie war zweiunddreißig, sie arbeitete zu viel, und sie hatte seit Monaten das Gefühl, dass das Leben irgendwo an ihr vorbeizog, ohne sie mitzunehmen.

Sie zog ihren Mantel an, schaltete den Computer aus und verließ das Gebäude. Draußen schlug ihr der Regen ins Gesicht, kalt und ehrlich, und für einen Moment fühlte sie sich seltsam lebendig. Die Straße glänzte im Licht der Laternen, die Autos warfen lange Reflexe auf den Asphalt, und die Menschen eilten mit hochgezogenen Schultern an ihr vorbei, als wollten sie dem Abend so schnell wie möglich entkommen.

Lena nicht. Lena hatte es nicht eilig. Zum ersten Mal seit langer Zeit wartete niemand zu Hause auf sie, und das war, wenn sie ehrlich war, eher eine Erleichterung als ein Schmerz. Die Beziehung mit Thomas war vor drei Monaten zu Ende gegangen, leise und ohne großen Streit, so wie eben alles in den letzten Jahren leise und ohne großen Streit gewesen war. Sie vermisste ihn kaum. Was sie vermisste, war etwas, das sie nicht hätte benennen könnendas Gefühl, begehrt zu werden, vielleicht. Das Gefühl, dass jemand sie ansah, als wäre sie das Interessanteste im ganzen Raum.

Sie ging in die kleine Bar an der Ecke, in die sie früher oft mit Kolleginnen gegangen war. Heute Abend war sie allein. Sie setzte sich an die Theke, bestellte einen Rotwein und ließ den Blick durch den warmen, halb leeren Raum schweifen. Es roch nach Holz, nach Regen und nach dem süßlichen Rauch einer Kerze, die irgendwo auf einem der Tische brannte.

Und dann sah sie ihn.

Er saß am anderen Ende der Theke, ein Buch vor sich, ein Glas Whisky daneben. Er musste etwa in ihrem Alter sein, vielleicht ein paar Jahre älter. Was ihr zuerst auffiel, waren seine Händegroße, ruhige Hände, die die Seiten umblätterten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Dann hob er den Kopf, und ihre Blicke trafen sich.

Sie sah sofort wieder weg, wie man es eben tut. Aber sie spürte, dass er sie weiter ansah, und diese Aufmerksamkeit lief ihr warm den Rücken hinunter. Als sie es nach einer Weile wagte, wieder hinzusehen, lächelte er. Es war kein aufdringliches Lächeln, eher ein neugieriges, fast amüsiertes, als hätte er einen Witz gehört, den nur sie beide verstehen würden.

Er nahm sein Glas, stand auf und kam herüber.

"Stört es Sie, wenn ich mich setze?", fragte er. Seine Stimme war tief und ruhig, und obwohl er sie siezte, lag etwas Vertrautes darin, als würden sie sich schon lange kennen.

"Nein", sagte Lena und wunderte sich selbst darüber, wie fest ihre Stimme klang. "Setzen Sie sich."

Er stellte sich vor und fragte nach ihrem Namen, und schon nach wenigen Sätzen hatte sie das Gefühl, dass das Gespräch eine eigene Leichtigkeit besaß, wie sie ihr seit Jahren nicht mehr begegnet war. Nichts wirkte gezwungen, keine Pause war unangenehm; selbst das kurze Schweigen zwischen ihren Sätzen fühlte sich an, als gehöre es dazu.

Er hieß David. Er war Fotograf, erzählte er, und er war erst vor wenigen Monaten in die Stadt gezogen, nachdem er jahrelang im Ausland gearbeitet hatte. Sie sprachen über das Reisen, über die Orte, an denen er gewesen war, über die seltsame Einsamkeit, die man manchmal mitten in einer fremden Stadt empfindet. Er hörte ihr zu, wirklich zu, und stellte Fragen, die zeigten, dass er sich an das erinnerte, was sie gesagt hatte. Es war lange her, dachte Lena, dass ihr jemand so zugehört hatte.

Der Wein machte sie mutiger. Sie merkte, dass sie sich zu ihm hinlehnte, dass ihre Hände sich auf der Theke beinahe berührten, dass sie lachte, lauter und freier, als sie es seit Monaten getan hatte. Und sie merkte, wie sein Blick immer wieder zu ihrem Mund wanderte, wenn sie sprach, und wie ihr dabei jedes Mal heiß wurde.

Sie erzählte ihm Dinge, die sie sonst niemandem erzählte. Von ihrer Arbeit, die sie früher einmal geliebt hatte und die ihr inzwischen nur noch wie ein langer, grauer Flur vorkam, durch den sie jeden Tag ging, ohne je eine Tür zu öffnen. Von dem Gefühl, mit zweiunddreißig plötzlich nicht mehr zu wissen, wohin sie eigentlich wollte. David hörte zu, ohne sie zu unterbrechen, und als sie fertig war, schwieg er einen Moment, bevor er sprach.

"Vielleicht", sagte er nachdenklich, "ist es gar nicht so schlimm, eine Weile nicht zu wissen, wohin man will. Manchmal sind das die einzigen Momente, in denen wirklich etwas Neues passieren kann. Solange man genau weiß, was man will, läuft man ja immer nur auf dasselbe Ziel zu."

"Das klingt fast, als hättest du es selbst durchgemacht", sagte Lena.

"Habe ich auch", antwortete er. "Ich habe vor zwei Jahren alles hinter mir gelasseneine Beziehung, einen festen Job, eine Wohnung, in der ich mich nie wirklich zu Hause gefühlt habe. Alle hielten mich für verrückt. Und ehrlich gesagt war ich danach lange ziemlich verloren. Aber ich würde es jederzeit wieder tun."

Er drehte das Glas in seinen Händen, und das Licht der Kerze fing sich golden im Whisky.

"Das Schlimmste ist nicht, den Boden unter den Füßen zu verlieren", fügte er leiser hinzu. "Das Schlimmste ist, sein ganzes Leben lang so zu tun, als stünde man fest, während man in Wirklichkeit längst nichts mehr spürt."

Lena sah ihn an und hatte das seltsame Gefühl, dass er etwas ausgesprochen hatte, das sie selbst seit Monaten nicht in Worte hatte fassen können. Sie nahm einen Schluck Wein, mehr um etwas zu tun zu haben, als aus Durst, und stellte das Glas dann mit einer Entschlossenheit ab, die sie selbst überraschte.

"Darf ich Ihnen etwas sagen, ohne dass Sie weglaufen?", fragte er schließlich.

"Das kommt darauf an", sagte sie und lächelte.

"Ich finde Sie wunderschön", sagte er einfach. "Und ich sitze schon den ganzen Abend hier und überlege, ob ich den Mut habe, es Ihnen zu sagen."

Lena spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Wäre sie vorsichtiger gewesen, hätte sie vielleicht etwas Höfliches gemurmelt und das Thema gewechselt. Aber an diesem Abend, mit dem Regen vor den Fenstern und dem Wein in ihren Adern, wollte sie nicht vorsichtig sein.

"Dann bin ich froh, dass Sie den Mut hatten", sagte sie leise.

Eine Weile saßen sie nur da und sahen einander an. Die Luft zwischen ihnen war auf einmal dicht und voller Spannung, als hätte sich ein unsichtbarer Faden gespannt, der sich mit jeder Sekunde fester zog.

"Ich wohne nicht weit von hier", sagte David schließlich. Seine Stimme war jetzt rauer. "Aber ich will nichts überstürzen. Wenn du lieber nur noch einen Wein trinken möchtest, dann trinken wir noch einen Wein, und ich bringe dich danach nach Hause. Es liegt ganz bei dir."

Dass er sie plötzlich duzte, dass er ihr die Entscheidung so offen überließ, machte alles nur noch verlockender. Lena dachte an ihre leere Wohnung, an den unfertigen Bericht, an die langen Monate, in denen sie kaum gespürt hatte, dass sie überhaupt einen Körper besaß.

"Ich möchte mit dir gehen", sagte sie.

Draußen regnete es noch immer, doch der Regen hatte seine Schärfe verloren und fiel jetzt weich und gleichmäßig auf die Stadt. David hielt ihr seine Jacke über den Kopf, und sie liefen eng nebeneinander durch die menschenleeren Straßen, lachend, halb durchnässt, während das Wasser in den Rinnsteinen gluckerte und die Schaufenster ihr Licht in die Pfützen warfen.

An einer Kreuzung blieben sie stehen, weil die Ampel rot war, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen war. Lena drehte sich zu ihm um, und ohne nachzudenken, ohne auf Grün zu warten, küsste sie ihnzum ersten Mal, mitten auf der Straße, im strömenden Regen. Es war ein kurzer, kühner Kuss, und als sie sich wieder löste, sah sie an seinem Gesichtsausdruck, dass sie ihn überrascht hatte.

"Das", sagte er heiser, "habe ich den ganzen Abend gehofft."

"Ich weiß", sagte sie und lächelte. "Deshalb habe ich es getan."

Sie gingen weiter, jetzt langsamer, ihre Hand fest in seiner. Der Regen kümmerte sie nicht mehr. Lena konnte sich nicht erinnern, wann sie sich das letzte Mal so leicht gefühlt hatte, so frei von dem ewigen Gewicht der Vernunft, das sonst auf all ihren Entscheidungen lastete.

Seine Wohnung lag im obersten Stock eines alten Gebäudes, mit hohen Fenstern, durch die man über die nassen Dächer der Stadt sehen konnte. Überall standen Bücher, an den Wänden hingen Fotografien, die er offensichtlich selbst gemacht hatteLandschaften, Gesichter, Hände, alles in tiefem Schwarz-Weiß. Es roch nach Kaffee und nach altem Papier.

"Möchtest du etwas trinken?", fragte er, während er den Mantel von ihren Schultern nahm. Seine Finger streiften dabei ihren Nacken, und der kurze Kontakt ließ sie erschauern.

"Nein", sagte sie und drehte sich zu ihm um. "Ich möchte nichts trinken."

Sie standen sich gegenüber, ganz nah, und für einen Moment bewegte sich keiner von ihnen. Dann hob er die Hand und strich ihr eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht, langsam, fast vorsichtig, als hätte er Angst, dass sie zerbrechen könnte. Seine Augen fragten, und ihre gaben die Antwort.

Der erste Kuss war zart, beinahe zögerlich, ein vorsichtiges Tasten. Doch kaum hatten sich ihre Lippen berührt, brach etwas in ihnen beiden auf, das sich nicht länger zurückhalten ließ. Der zweite Kuss war tief und hungrig. Lena vergrub die Hände in seinem Haar, zog ihn näher, spürte, wie seine Arme sich fest um ihre Taille legten und sie an seinen Körper drückten.

"Du zitterst", flüsterte er an ihrem Ohr.

"Nicht weil ich friere", flüsterte sie zurück.

Er lachte leise, ein dunkler, warmer Ton, und küsste den weichen Punkt unter ihrem Ohr, dann ihren Hals, dann die Stelle, wo ihr Puls schlug. Seine Lippen wanderten langsam, geduldig, als wollte er sich jeden Zentimeter ihrer Haut einprägen. Lena legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Jede Berührung schickte eine Welle der Wärme durch ihren Körper, und sie hatte fast vergessen, wie sehr sie sich danach gesehnt hatte, so begehrt zu werden.

Seine Hände fanden die Knöpfe ihrer Bluse und öffneten sie einen nach dem anderen, ohne Eile, während sein Blick die ganze Zeit auf ihrem Gesicht ruhte, als suchte er nach dem kleinsten Zeichen, dass sie zögerte. Aber sie zögerte nicht. Sie wollte das hier, mehr als sie sich seit langem irgendetwas gewünscht hatte.

Als die Bluse zu Boden glitt, trat er einen halben Schritt zurück und sah sie an. "Wunderschön", sagte er noch einmal, und diesmal klang das Wort nicht wie ein Kompliment, sondern wie eine schlichte Feststellung, und gerade deshalb glaubte sie ihm.

Sie zog ihm das Hemd über den Kopf. Seine Haut war warm unter ihren Händen, und sie spürte unter ihren Fingern, wie schnell sein Herz schlugso schnell wie ihres. Diese kleine Entdeckung, dass auch er nervös war, dass auch ihn das hier ergriff, rührte sie auf eine Weise, die sie nicht erwartet hatte.

Eine Weile standen sie nur da, mitten im Zimmer, und hielten einander, Stirn an Stirn, und atmeten denselben Atem. Es lag etwas beinahe Andächtiges in diesem Innehalten, als wollten sie beide den Moment festhalten, kurz bevor er kippte und in etwas Unaufhaltsames überging. Lena spürte seinen Herzschlag an ihrer Brust, das Beben in seinen Händen, und sie wusste, dass auch für ihn dies hier kein beiläufiger Abend war.

Dann küsste sie ihn wieder, und das vorsichtige Tasten war endgültig vorbei. Seine Hände wurden fordernder, ihre nicht weniger. Sie zog ihn rückwärts mit sich, bis sie gegen die Wand stieß, und das leise Lachen, das ihr entwich, verwandelte sich in ein Seufzen, als sein Mund ihre Schulter fand, ihr Schlüsselbein, die weiche Rundung darunter.

Er hob sie hoch, und sie schlang lachend die Beine um ihn, während er sie ins Schlafzimmer trug. Dort ließ er sie sanft auf das Bett gleiten und legte sich über sie, stützte sich auf die Arme und sah eine Weile nur auf sie herab.

"Wir haben es nicht eilig", murmelte er. "Die ganze Nacht gehört uns."

Und so war es. Sie nahmen sich Zeitviel Zeit. David schien jeden Millimeter ihres Körpers erkunden zu wollen, mit den Händen, mit den Lippen, mit einer Geduld, die Lena beinahe um den Verstand brachte. Er las jede ihrer Reaktionen, jedes Stocken ihres Atems, jedes leise Geräusch, das ihr entwich, und richtete sich danach, als wäre ihr Vergnügen das Einzige, was in dieser Nacht zählte.

Lena gab sich dem Augenblick hin, wie sie es seit Jahren nicht mehr getan hatte. Sie dachte nicht an den Bericht, nicht an Thomas, nicht an die leere Wohnung. Sie dachte überhaupt nicht mehr, sie fühlte nur nochseine Hände, seinen Mund, das Gewicht seines Körpers, die langsam ansteigende Hitze, die sich in ihr sammelte wie ein Gewitter, das sich nicht länger halten ließ.

Sie verlor jedes Gefühl für die Zeit. Irgendwann drehte sie ihn auf den Rücken und nahm sich, was sie wollte, und er ließ es geschehen, mit einem leisen, bewundernden Lachen, das in ein Stöhnen überging, sobald sie das Tempo bestimmte. Es war ein Hin und Her zwischen ihnen, ein stilles Gespräch aus Berührungen und Blicken, in dem keiner führte und keiner folgte. Wenn er innehielt, dann nur, um sie anzusehen, und in diesen Blicken lag etwas, das Lena tiefer traf als jede Berührungein ungläubiges Staunen, als könne er kaum fassen, dass sie wirklich hier war.

"Sieh mich an", flüsterte er einmal, als sie die Augen geschlossen hatte, und als sie es tat, hielt er ihren Blick fest, und gerade diese Offenheit, dieses Nichts-Verbergen, machte alles nur noch intensiver. Sie hatte nie gewusst, dass es so etwas geben konntediese Mischung aus Verlangen und Vertrautheit mit einem Menschen, den sie erst seit wenigen Stunden kannte.

Als die Welle sie schließlich erfasste, klammerte sie sich an ihn, und er hielt sie fest, flüsterte ihren Namen, wieder und wieder, als wäre er das Kostbarste, was er kannte. Und kurz darauf folgte er ihr, mit einem tiefen, gedämpften Laut, das Gesicht in ihrem Hals vergraben.

Danach lagen sie lange still, Haut an Haut, ihre Beine ineinander verschlungen, sein Herz unter ihrer Wange. Der Regen trommelte leise gegen die hohen Fenster, und das Licht der Stadt zeichnete bewegliche Muster an die Decke.

"Woran denkst du?", fragte er nach einer Weile und strich ihr mit den Fingern langsam über den Rücken.

"An heute Nachmittag", sagte sie. "Da saß ich noch im Büro und dachte, dass das Leben einfach so an mir vorbeizieht."

"Und jetzt?"

Sie hob den Kopf und sah ihn an. Im Halbdunkel konnte sie sein Lächeln mehr erahnen als sehen.

"Jetzt", sagte sie, "habe ich das Gefühl, ich bin mitten drin."

Er zog sie näher an sich, küsste ihre Stirn und sagte nichts mehr. Es war auch nichts mehr zu sagen nötig.

Eine ganze Weile lagen sie so, ohne zu sprechen, und Lena lauschte dem Regen und seinem Atem, der allmählich ruhiger wurde. Sie hätte schwören können, dass sie noch nie im Leben so vollkommen entspannt gewesen war. Erst als sie schon halb im Schlaf war, sprach er wieder, leise, fast als rede er mit sich selbst.

"Weißt du, was komisch ist?", sagte er. "Ich wollte heute Abend eigentlich gar nicht in diese Bar. Ich war müde, ich hatte einen langen Tag, und ich dachte, ich gehe direkt nach Hause. Im letzten Moment habe ich es mir anders überlegt."

"Und warum bist du doch hingegangen?", fragte Lena.

"Keine Ahnung", sagte er. "Vielleicht wollte ich einfach noch nicht in eine leere Wohnung. Und jetzt frage ich mich, was gewesen wäre, wenn ich es nicht getan hätte. Wenn ich einfach heimgegangen wäre."

Lena richtete sich auf einen Ellbogen auf und sah ihn an. "Dann hätten wir uns nie getroffen", sagte sie.

"Eben", sagte er. "Es ist erschreckend, wie viel von einem ganzen Leben an solchen winzigen Entscheidungen hängt. Ein Schritt nach links statt nach rechts, und alles wäre anders."

"Vielleicht", sagte Lena leise, "sollten wir aufhören, darüber nachzudenken, was nicht passiert ist, und einfach froh sein, dass es passiert ist."

Er lächelte und zog sie wieder zu sich herunter. "Du hast recht", sagte er. "Du hast völlig recht."

Sie schlief in seinen Armen ein, zum Geräusch des Regens, der gegen die Fenster trommelte, und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie keine Angst vor dem Morgen.

Lena wachte auf, weil die Sonne durch die hohen Fenster fiel. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann erinnerte sie sich, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, bevor sie überhaupt richtig die Augen geöffnet hatte.

Die andere Seite des Bettes war leer, aber noch warm. Aus der Küche hörte sie Geräuschedas Klappern von Geschirr, das leise Brummen einer Kaffeemaschine, eine Melodie, die jemand vor sich hin summte.

Sie blieb noch einen Moment liegen und sah an die Decke, an der das Morgenlicht jetzt ganz andere, hellere Muster zeichnete als die Nacht zuvor. Sie wartete auf das vertraute Gefühl der Reue, das sonst auf solche Nächte zu folgen pflegtedoch es kam nicht. Stattdessen spürte sie nur eine ruhige, warme Zufriedenheit, die sich anfühlte, als wäre sie endlich irgendwo angekommen.

Sie zog sich sein Hemd über, das auf dem Boden lag, und ging hinüber. David stand am Herd, mit nacktem Oberkörper und zerzaustem Haar, und schlug gerade Eier in eine Pfanne. Als er sie sah, hielt er einen Moment inne, und der Blick, mit dem er sie ansah, ließ ihr Herz wieder schneller schlagen.

"Guten Morgen", sagte er. "Ich hoffe, du hast Hunger. Ich kann nicht viel, aber Rührei bekomme ich hin."

"Mein Hemd steht dir übrigens gut", fügte er mit einem schiefen Grinsen hinzu.

Sie ging zu ihm hinüber, stellte sich hinter ihn und legte die Arme um seine Mitte, während er weiter die Eier rührte. Sie lehnte die Wange an seinen warmen Rücken und schloss die Augen. Es war eine kleine, alltägliche Geste, und gerade deshalb fühlte sie sich so kostbar anals wäre sie das eigentliche Wunder dieser Nacht, nicht alles, was davor geschehen war.

"Vorsicht", murmelte er, "sonst brennt das Frühstück an, und dann war meine ganze Mühe umsonst."

Lachend ließ sie ihn los und lehnte sich an den Türrahmen und betrachtete ihndiesen fremden Mann in seiner Küche, der ihr gestern Abend noch völlig unbekannt gewesen war und der ihr jetzt vorkam, als gehöre er auf seltsame Weise schon immer in ihr Leben. Sie wusste, dass solche Nächte manchmal nur Nächte blieben, dass das Licht des Morgens viele Dinge anders aussehen ließ. Aber als er ihr eine Tasse Kaffee reichte und sie dabei flüchtig auf den Mund küsste, spürte sie, dass dies hier vielleicht der Anfang von etwas warund sei es nur der Anfang davon, sich selbst wieder lebendig zu fühlen.

"Was hast du heute vor?", fragte er, während er zwei Teller auf den kleinen Tisch am Fenster stellte.

"Eigentlich", sagte Lena und setzte sich, die warme Tasse zwischen den Händen, "müsste ich einen Bericht zu Ende schreiben."

"Und uneigentlich?"

Sie sah hinaus, über die Dächer, die in der Morgensonne dampften, und dann wieder zu ihm.

"Uneigentlich", sagte sie langsam, "habe ich überhaupt nichts vor. Den ganzen Tag nicht."

David lächelte und setzte sich ihr gegenüber. Draußen war der Regen verschwunden, und über der Stadt spannte sich ein blasser, klarer Himmel.

"Dann zeig mir doch deine Stadt", sagte er. "Ich wohne jetzt seit Monaten hier und kenne kaum mehr als den Weg zur Bar und zurück. Du könntest mir die Orte zeigen, die in keinem Reiseführer stehen."

"Die gibt es", sagte Lena. "Ein paar zumindest."

"Dann fangen wir damit an", sagte er. "Wir haben ja den ganzen Tag."

Sie sah ihn über den Rand ihrer Tasse hinweg an, diesen Mann, der gestern noch ein Fremder gewesen war und der heute so selbstverständlich von einem gemeinsamen Tag sprach, als gäbe es gar keine andere Möglichkeit. Und sie merkte, dass sie nichts daran ändern wollte. Zum ersten Mal seit langer Zeit lag ein Tag vor ihr, der nicht durchgeplant war, der nicht aus Verpflichtungen bestand, sondern aus lauter offenen Türen.

Der Bericht konnte warten, dachte Lena, während sie den ersten Bissen probierte. Manche Dinge konnten wartendie Arbeit, die Vernunft, die Frage, was aus alledem werden würde.

Dieser Morgen nicht.

Full English translation

The Long Evening

It had been raining all day when Lena decided to leave work early. She should actually have stayed in the office for another two hours, because the report she had been working on for weeks was far from finished. But on some days, she thought, as she gazed out the window at the wet roofs of the city, the fight simply isn't worth it. She was thirty-two, she worked too much, and for months she had had the feeling that life was passing her by somewhere, without taking her along.

She put on her coat, switched off the computer and left the building. Outside, the rain hit her face, cold and honest, and for a moment she felt strangely alive. The street gleamed in the light of the streetlights, the cars cast long reflections on the asphalt, and people hurried past her with raised shoulders, as if wanting to escape the evening as quickly as possible.

Not Lena. Lena was in no hurry. For the first time in a long while, no one was waiting for her at home, and that was, if she was honest, more of a relief than a pain. The relationship with Thomas had ended three months ago, quietly and without any great quarrel, just as everything in recent years had been quiet and without any great quarrel. She barely missed him. What she missed was something she could not have named — the feeling of being desired, perhaps. The feeling that someone looked at her as if she were the most interesting person in the whole room.

She went to the small bar on the corner, where she used to go often with female colleagues. This evening she was alone. She sat down at the bar, ordered a red wine and let her gaze roam around the warm, half-empty room. It smelled of wood, of rain, and of the sweet smoke of a candle burning somewhere on one of the tables.

And then she saw him.

He sat at the other end of the bar, a book in front of him, a glass of whisky beside it. He must have been around her age, perhaps a few years older. What she noticed first were his hands — large, calm hands that turned the pages as if they had all the time in the world. Then he lifted his head, and their eyes met.

She looked away immediately, as one does. But she sensed that he kept looking at her, and that attention ran warmly down her spine. When she dared to look back after a while, he smiled. It was not a pushy smile, more of a curious, almost amused one, as if he had heard a joke that only the two of them would understand.

He picked up his glass, stood up and came over.

"Does it bother you if I sit down?" he asked. His voice was deep and calm, and although he addressed her formally, there was something familiar in it, as if they had known each other for a long time.

"No," said Lena, and was herself surprised at how firm her voice sounded. "Please sit down."

He introduced himself and asked her name, and after just a few sentences she had the feeling that the conversation had an ease of its own, the likes of which she had not encountered in years. Nothing felt forced, no pause was uncomfortable; even the brief silence between their sentences felt as if it belonged there.

His name was David. He was a photographer, he told her, and had only moved to the city a few months ago after working abroad for years. They talked about travel, about the places he had been, about the strange loneliness one sometimes feels in the middle of a foreign city. He listened to her, really listened, and asked questions that showed he remembered what she had said. It had been a long time, Lena thought, since someone had listened to her like that.

The wine made her bolder. She noticed that she was leaning towards him, that their hands on the bar were almost touching, that she was laughing, louder and more freely than she had in months. And she noticed how his gaze kept moving to her mouth when she spoke, and how she felt a rush of heat each time.

She told him things she would tell no one else. About her work, which she had once loved but which now felt to her like a long, grey corridor she walked through every day without ever opening a door. About the feeling of suddenly no longer knowing, at thirty-two, where she actually wanted to go. David listened without interrupting her, and when she had finished, he was silent for a moment before he spoke.

"Perhaps," he said thoughtfully, "it's not so terrible to not know for a while where you want to go. Sometimes those are the only moments in which something truly new can happen. As long as you know exactly what you want, you always end up heading toward the same goal."

"That sounds almost as if you've been through it yourself," said Lena.

"I have too," he replied. "Two years ago I left everything behind me — a relationship, a steady job, an apartment where I never truly felt at home. Everyone thought I was crazy. And honestly, I was pretty lost for a long time afterward. But I would do it again any time."

He turned the glass in his hands, and the candlelight caught golden in the whisky.

"The worst thing is not losing the ground beneath your feet," he added more quietly. "The worst thing is to spend your whole life pretending you stand firm, while in reality you stopped feeling anything long ago."

Lena looked at him and had the strange feeling that he had voiced something she herself had not been able to put into words for months. She took a sip of wine, more to have something to do than out of thirst, and then set down the glass with a resolve that surprised even her.

"May I tell you something without you running away?" he asked at last.

"That depends," she said and smiled.

"I find you beautiful," he said simply. "And I've been sitting here all evening wondering whether I have the courage to tell you."

Lena felt the color rise to her cheeks. Had she been more cautious, she might have murmured something polite and changed the subject. But on this evening, with the rain against the windows and the wine in her veins, she did not want to be cautious.

"Then I'm glad you had the courage," she said softly.

For a while they simply sat there and looked at each other. The air between them had suddenly grown thick and full of tension, as if an invisible thread had been pulled tight, pulling tighter with every second.

"I don't live far from here," David said at last. His voice was rougher now. "But I don't want to rush anything. If you'd rather just have another glass of wine, we'll have another glass of wine, and I'll walk you home afterward. It's entirely up to you."

The fact that he suddenly addressed her informally, that he left the decision so openly to her, made everything only more tempting. Lena thought of her empty apartment, of the unfinished report, of the long months in which she had barely felt that she even had a body.

She liked that he said it like that.

Outside it was still raining, but the rain had lost its edge and now fell softly and steadily on the city. David held his jacket over her head and they ran close together through the deserted streets, laughing and half drenched, while the water bubbled in the gutters and the shop windows cast their light into the puddles.

At an intersection they stopped because the light was red, even though not a single car was in sight. Lena turned toward him and, without thinking, without waiting for green, she kissed him — for the first time, in the middle of the street, in the pouring rain. It was a brief, bold kiss, and when she pulled back, she could see from his expression that she had surprised him.

"That," he said hoarsely, "is what I'd been hoping for all evening."

"I know," she said and smiled. "That's why I did it."

They walked on, slower now, her hand firm in his. The rain no longer bothered them. Lena could not remember the last time she had felt so light, so free of the eternal weight of reason that otherwise bore down on all her decisions.

His apartment was on the top floor of an old building, with tall windows through which you could see over the wet roofs of the city. Books were everywhere, photographs hung on the walls that he had obviously taken himself — landscapes, faces, hands, all in deep black and white. It smelled of coffee and old paper.

"Would you like something to drink?" he asked as he lifted the coat from her shoulders. His fingers brushed her neck in doing so, and the brief contact made her shiver.

"No," she said and turned to face him. She stepped in and looked around.

They stood facing each other, very close, and for a moment neither of them moved. Then he raised his hand and brushed a damp strand of hair from her face, slowly, almost gently, as if he were afraid she might break. His eyes asked the question, and hers gave the answer.

The first kiss was tender, almost unsure, a cautious exploration. But the moment their lips touched, something broke open in both of them that could no longer be held back. The second kiss was deep and hungry. Lena buried her hands in his hair, pulled him closer, felt his arms wrap firmly around her waist and press her against his body.

"You're trembling," he whispered at her ear.

He smiled and pulled her closer.

He laughed softly, a low, warm sound, and kissed the soft spot beneath her ear, then her neck, then the place where her pulse beat. His lips moved slowly, patiently, as if he wanted to memorize every centimeter of her skin. Lena tilted her head back and closed her eyes. Every touch sent a wave of warmth through her body, and she had almost forgotten how much she had longed to be desired like this.

His hands found the buttons of her shirt and opened them one by one, without hurry, while his gaze rested on her face the entire time, as if searching for the slightest sign that she was hesitating. But she did not hesitate. She wanted this, more than she had wished for anything in a long time.

As the shirt slipped to the floor, he took half a step back and looked at her. "Beautiful," he said once more, and this time the word did not sound like a compliment but like a simple statement of fact, and it was precisely for that reason that she believed him.

She pulled his shirt over his head. His skin was warm beneath her hands, and she could feel under her fingers how quickly his heart was beating — just as fast as hers. This small discovery — that he too was nervous, that this was affecting him too — moved her in a way she had not expected.

For a while they simply stood there in the middle of the room, holding each other, forehead to forehead, breathing the same breath. There was something almost reverential in that pause, as if they both wanted to hold the moment in place, just before it tipped over into something unstoppable. Lena felt his heartbeat against her chest, the trembling in his hands, and she knew that for him too this was no casual evening.

She gave herself over to him fully, and he responded to every movement, every breath. His hands grew more demanding, and hers no less so. She pulled him backward with her until she hit the wall, and the soft laugh that escaped her turned into a sigh as his mouth found her shoulder, her collarbone, the soft curve below.

He lifted her up, and she wrapped her legs around him with a laugh as he carried her to the bedroom. There he let her slide gently onto the bed and lay down over her, propping himself on his arms and looking down at her for a while.

"We're in no hurry," he murmured. "The whole night is ours."

And so it was. They took their time — a great deal of time. David seemed to want to explore every millimeter of her body, with his hands, with his lips, with a patience that nearly drove Lena out of her mind. He read each of her reactions, every catch in her breath, every small sound that escaped her, and adjusted accordingly, as if her pleasure were the only thing that mattered this night.

Lena gave herself over to the moment as she had not done in years. She did not think about the report, not about Thomas, not about the empty apartment. She did not think at all anymore; she only felt — his hands, his mouth, the weight of his body, the slowly rising heat that gathered inside her like a storm that could no longer be contained.

She lost all sense of time. At some point she rolled him onto his back and took what she wanted, and he let it happen, with a soft, admiring laugh that turned into a moan the moment she set the pace. It was a back and forth between them, a silent conversation of touches and glances in which neither led and neither followed. When he paused, it was only to look at her, and in those glances lay something that touched Lena more deeply than any caress — a disbelieving wonder, as if he could barely comprehend that she was truly here.

"Look at me," he whispered once when she had closed her eyes, and when she did, he held her gaze, and it was precisely this openness, this hiding nothing, that made everything only more intense. She had never known that something like this could exist — this mixture of desire and closeness with a person she had known for only a few hours.

When the wave finally broke over her, she clung to him, and he held her tight, whispering her name again and again, as if it were the most precious thing he knew. And shortly after he followed her, with a deep, muffled sound, his face buried in her neck.

Afterward they lay still for a long time, skin to skin, their legs tangled together, his heart beneath her cheek. The rain drummed softly against the tall windows, and the light of the city traced shifting patterns on the ceiling.

"What are you thinking about?" he asked after a while, slowly stroking her back with his fingers.

"About this afternoon," she said. "I was still sitting in the office thinking that life was just passing me by."

"And now?"

"What would have happened if you hadn't?" In the half-dark she could sense his smile more than see it.

"Now," she said, "I feel as though I'm right in the middle of it."

He pulled her closer, kissed her forehead, and said nothing more. There was nothing more that needed to be said anyway.

For quite a while they lay like that without speaking, and Lena listened to the rain and to his breathing, which gradually grew calmer. She could have sworn that she had never in her life been so completely at ease. Only when she was already half asleep did he speak again, softly, almost as if talking to himself.

"Do you know what's funny?" he said. "I actually didn't want to go to that bar tonight at all. I was tired, I'd had a long day, and I thought I'd go straight home. At the last moment I changed my mind."

"And why did you go anyway?" asked Lena.

"No idea," he said. "Maybe I just didn't want to go home to an empty apartment yet. And now I wonder what would have happened if I hadn't done it. If I had simply gone home."

Lena raised herself up on one elbow and looked at him. "Then we would never have met," she said.

"Exactly," he said. "It's frightening how much of an entire life hangs on such tiny decisions. One step to the left instead of to the right, and everything would be different."

"Perhaps," said Lena softly, "we should stop thinking about what didn't happen, and simply be glad that it did."

He smiled and drew her back down to him. "You're right," he said. "You are absolutely right."

She fell asleep in his arms, to the sound of the rain drumming against the windows, and for the first time in a long while she felt no fear of the morning.

Lena woke up because the sun was falling through the tall windows. For a moment she didn't know where she was. Then she remembered, and a smile spread across her face before she had even properly opened her eyes.

The other side of the bed was empty, but still warm. From the kitchen she heard sounds — the clatter of dishes, the soft hum of a coffee machine, a melody someone was humming to themselves.

She stayed lying there a moment longer and looked up at the ceiling, on which the morning light now traced quite different, brighter patterns than the night before. She waited for the familiar feeling of regret that usually followed such nights — but it did not come. Instead she felt only a quiet, warm contentment that felt as though she had finally arrived somewhere.

She pulled his shirt on — it was lying on the floor — and went over. David was standing at the stove, bare-chested and with messy hair, just cracking eggs into a pan. When he saw her, he paused for a moment, and the look he gave her made her heart beat faster again.

"Good morning," he said. "I hope you're hungry. I can't do much, but scrambled eggs I can manage."

She went to him and wrapped her arms around his waist from behind.

She went over to him, stood behind him, and put her arms around his waist while he kept stirring the eggs. She rested her cheek against his warm back and closed her eyes. It was a small, everyday gesture, and for precisely that reason it felt so precious — as if it were the real wonder of this night, not everything that had happened before.

"Careful," he murmured, "or the breakfast will burn, and then all my effort will have been for nothing."

Laughing, she let him go and leaned against the door frame and looked at him — this stranger in his kitchen who had been completely unknown to her the previous evening and who now seemed, in a strange way, to have always belonged in her life. She knew that such nights sometimes remained just nights, that the light of morning made many things look different. But when he handed her a cup of coffee and kissed her briefly on the mouth as he did so, she sensed that this might perhaps be the beginning of something — even if only the beginning of feeling alive again.

"What do you have planned for today?" he asked while setting two plates on the small table by the window.

"Technically," said Lena, sitting down with the warm cup in her hands, "I'm supposed to finish a report."

"And unofficially?"

She looked out over the roofs steaming in the morning sun, and then back to him.

"Unofficially," she said slowly, "I have nothing planned at all. Not the whole day."

"Unofficially I have absolutely nothing planned. Outside the rain had gone, and above the city a pale, clear sky was spreading.

"Then show me your city," he said. "I've been living here for months now and barely know more than the way to the bar and back. You could show me the places that are in no travel guide."

"Those exist," said Lena. "A few at least."

"Then let's start with those," he said. "We have the whole day after all."

She looked at him over the rim of her cup — this man who had still been a stranger yesterday and who today was speaking so naturally of a shared day, as if there were no other possibility. And she realized that she didn't want to change anything about it. For the first time in a long while, a day lay ahead of her that was not planned out, that did not consist of obligations, but of nothing but open doors.

The report could wait, thought Lena, as she tasted the first bite. Some things could wait — the work, reason, the question of what would come of all this.

This morning could not.

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